BAGE-Fachtag 2009 in Hannover

Unter dem Motto "Auf Augenhöhe: Bildung für unter 3-jährige in Elterninitiativen"
trafen sich 140 ErzieherInnen und Eltern aus Initiativen in Hannover zur diesjährigen bundesweiten Fachtagung der BAGE.  Mitveranstalter war die Kinderladen-Initiative Hannover in Kooperation mit der Fachhochschule Hannover.
Raumkonzepte, Konfliktlösung unter Kindern, Spracherwerb, Beobachtung und Dokumentation waren einige der Themen, die in den angebotenen Workshops diskutiert und vertieft wurden. Das vollständige Programm findet man hier.
Gabriele Haug-Schnabel (Verhaltensbiologin, Lehrbeauftragte an der Universität Freiburg, Fachfrau für den Bereich U 3) führte in ihrem Hauptvortrag  sehr engagiert vor Augen, wie Krippenpädagogik sein muss, damit  sich Kinder wohl fühlen und gut entwickeln können.
Einige Schlagworte:
- Beziehung muss im Mittelpunkt stehen, damit alles andere gelingt...
- Beziehungsvolle Pflege: die Schlüsselsituation im Alltag
- Gruppenzusammensetzung und Altersmischung sind wichtig
- Es braucht eine hohe Personalquote, ausreichend Verfügungszeiten und:
- Qualifiziertes Personal mit „Spezialinteressen“: Beziehungsfähigkeit, Bindungsfähigkeit, Ausbildung in Kleinkindpädagogik, Haltung!
- ErzieherInnen sind für Kinder: „Der Leuchtturm“, der „Nabel der Welt“, „die Bezugsperson“, die „antwortbereite“ ErzieherIn!
- Eingewöhnung: eine Bezugserzieherin  (nicht wechselnde...)
- Kinder brauchen Zeit zum „arbeiten“
- Wenig Spielzeug aber von allem mehr (denn es geht nicht um Besitzstreitigkeiten bei kleinen Kindern, sondern darum, „gleiche Erfahrungen“ machen zu wollen...

Roland Kern vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden in Berlin machte in seinem Vortrag noch einmal die Bedeutung der Elterninitiativen bei der Krippenentwicklung sehr deutlich: denn natürlich waren sie Vorreiter – im Westen – und sie waren Vorreiter bei den pädagogischen Konzepten! Die Unterschiede der Betreuungslandschaft und ihrer Geschichte in Ost und West spielten natürlich auch bei der Entwicklung von Elterninitiativen eine Rolle – bis zur Wende gab es in der DDR keine. 
Auch wenn bundesweit der Anteil von Elterninitiativen am Platzangebot in Tageseinrichtungen steigt (7,7 %) - in Westdeutschland waren es 1994 für die unter 3-jährigen immerhin 17,1%! bedeutet das noch lange nicht, dass sie von Politik und Verwaltung als gleichberechtigte Träger gefördert und berücksichtigt werden (auf Augenhöhe sozusagen...). Bis auf einige Städte wie z.B. Berlin und  Hannover wird auf besondere Bedürfnisse von Elterninitiativen kaum Rücksicht genommen. Bei manchen Fördermaßnahmen wie z.B. Investitionsprogrammen, Bundesmitteln für den Ausbau werden sie weder entsprechend informiert (siehe München) noch wird ihnen  der Zugang zu diesen Mitteln in irgendeiner Form erleichtert... Das Fazit des Vortrags lautet deshalb: "Das Potential der Elterninitiativen als Vorreiter bei der Krippenentwicklung für die Unterstützung des Krippenausbaus liegt bisher weithin brach. Die Instrumente des Krippenausbaus müssen dringend so verändert werden, dass sie auch auf Elterninitiativen passen. Elterninitiativen können unkompliziert und nachhaltig für gute Kleinstkindbetreuung sorgen. Man muss sie aber dabei unterstützen." 

Die nächste Fachtagung wird am 19. und November 2010 in Münster stattfinden.